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21.01.26 | Pressemitteilung

Hoffnungen der Unternehmen wurden enttäuscht – Erwartungen spürbar verschlechtert / Kaeser: „Brauchen schnell eine handelnde Regierung, um unseren Wohlstand zu bewahren“

Die Lage der oberfränkischen Metall- und Elektro-Industrie bleibt auch im zweiten Halbjahr 2025 schwierig, die Erwartungen haben sich im Vergleich zur Sommerumfrage spürbar verschlechtert. Die Unternehmen bewerten sowohl die in- als auch die ausländische Geschäftslage im Saldo negativ, die große Mehrheit der Befragten sieht in den vergangenen Monaten keinerlei Verbesserung. „Im Ausland wird mehr produziert, mehr investiert und es werden mehr Jobs geschaffen. Das zeigt, dass unser Wirtschafts- und Industriestandort das Problem ist. Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig und zahlen mit der anhaltenden De-Industrialisierung einen hohen Preis dafür. Dem Abwärtstrend muss ein Ende gesetzt werden, doch die Bundesregierung agiert zu zögerlich, zu unkonkret und vor allem nicht schnell genug. Wir dürfen nicht weiter dabei zusehen, wie immer mehr Wertschöpfung den Standort verlässt, sondern brauchen jetzt eine schnell handelnde Regierung, um unseren Wohlstand zu bewahren“, fasst Thomas Kaeser, Vorsitzender der bayme vbm Region Oberfranken-Ost, die Ergebnisse der aktuellen Umfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen zusammen, die heute in einem Online-Pressegespräch vorgestellt wurden.

Laut Umfrage bleibt die aktuelle Geschäftslage deutlich hinter den Umfragewerten vom vergangenen Sommer zurück. Nur rund drei Prozent sind mit der in- und ausländischen Geschäftslage zufrieden. Der Saldo aus positiven und negativen Antworten liegt im Inlandsgeschäft bei -49,5 Punkten klar im negativen Bereich, beim Auslandsgeschäft mit -34,6 Punkten ebenfalls. Die Erwartungen in diesem Jahr haben sich wieder spürbar verschlechtert, sie sind per Saldo zurück in den negativen Bereich gefallen. „Das pessimistische Erwartungsbild mit Blick auf das Inland und die negative Entwicklung beim Exportgeschäft zeigt die schwierige Lage der oberfränkischen M+E Betriebe. Ein rechter Aufschwung ist nicht zu sehen, eher die Hoffnung, dass es insgesamt nicht schlimmer werden wird“, so Kaeser.

Angesichts der herausfordernden Standortbedingungen ist der Saldo für die inländischen Produktionspläne der Unternehmen in Oberfranken um gut 20 Prozentpunkte eingebrochen. „Nur 13 Prozent der Unternehmen wollen ihre Produktion in den nächsten Monaten erhöhen, mit 27,5 Prozent muss mehr als ein Viertel der Unternehmen den Output dagegen zurückfahren. Das ist bitter für unseren Standort“, prognostiziert Kaeser. Die inländischen Investitionspläne liegen mit einem Saldo von -60,8 Punkten tief im negativen Bereich. Nur gut vier Prozent der Firmen wollen im ersten Halbjahr 2026 mehr investieren, fast zwei Drittel wollen die Investitionen zurückfahren. „Die Entwicklung ist bedenklich, denn was einmal weg ist, kommt so schnell nicht wieder. Schon gar nicht, wenn die hausgemachten Probleme nicht angegangen oder sogar durch kosten- und bürokratietreibende Vorhaben verschlimmert werden“, findet Kaeser.

Die Beschäftigungspläne der oberfränkischen M+E Unternehmen rutschen ebenfalls weiter ins Minus. Fast 79 Prozent der Unternehmen befürchten, Stellen abbauen zu müssen. „Für das kommende Jahr prognostizieren wir einen weiteren Rückgang um 1.500 Stellen auf dann gut 57.500 Beschäftigte“, berichtet Kaeser und fügt hinzu: „Nirgendwo sieht man die Auswirkungen einer verfehlten Industrie- und Standortpolitik mehr als bei der Beschäftigung. Es ist um jeden einzelnen verlorenen Arbeitsplatz traurig.“

Für 2026 erwarten die Verbände, dass die Bundesregierung aus guten Ideen wie der Modernisierungsagenda oder dem Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz zeitnah echte Aktionen folgen lässt. Größte Baustelle, die auch ihre Schatten auf die Tarifrunde 2026 wirft, sind die Sozialversicherungskosten. „Ohne eine echte Reform steigen die Beitragssätze, es bleibt weniger Netto vom Brutto und die Arbeitskosten steigen unaufhörlich weiter. Der weiteren De-Industrialisierung öffnen wir damit Tür und Tor“, erklärt Kaeser und ergänzt: „Es geht um nicht weniger als um die Zukunftsfähigkeit unserer Industrie. Denn die M+E Industrie ist das Herz der bayerischen Industrie und die Industrie ist das Herz der bayerischen Wirtschaft.“

Link zur bayernweiten Auswertung: www.baymevbm.de/konjunkturumfrage