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Elias Kerperin
Abteilung Volks- und Außenwirtschaft
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Statistik | Report | 05/24
Frühjahrsgutachten 2026 des Sachverständigenrats
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im vergangenen Jahr um lediglich 0,2 Prozent gewachsen. Für das Jahr 2026 prognostiziert das Gutachten einen Anstieg des deutschen BIP um 0,5 Prozent. Gegenüber dem letzten Gutachten aus dem Herbst hat der Sachverständigenrat seine Prognose um 0,4 Prozentpunkte abgesenkt. Verantwortlich für die skeptischeren Aussichten ist der Irankrieg. Vor allem die starken Preisanstiege für Öl und Gas sowie für spezifische industrielle Vorprodukte belasten die konjunkturelle Lage.
Weltwirtschaftliche Entwicklung
Die durch die Politik der US-Regierung hervorgerufenen handelspolitischen Verwerfungen haben die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr nicht daran gehindert, robust zu wachsen. Gegenüber 2024 lag die weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr 2025 um 2,7 Prozent höher. Ins Jahr 2026 ist die Weltwirtschaft ebenfalls dynamisch gestartet. Mit dem Beginn des Iran-Kriegs ist die Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung zugleich stark gestiegen. So hat der Konflikt, insbesondere wenn er noch länger anhält, eine dämpfende Wirkung auf die globale Konjunktur. Das Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts wird im Jahr 2026 deshalb auf +2,3 Prozent absinken. Für das Jahr 2027 erwarten die Wirtschaftsforscher ebenfalls ein Plus von 2,3 Prozent.
Regional unterscheidet sich die wirtschaftliche Dynamik zwar weiterhin. Die Wachstumsraten der wichtigsten Wirtschaftsblöcke nähern sich aktuell dennoch etwas an. So wuchs die chinesische Wirtschaft offiziellen Angaben zufolge im vergangenen Jahr um 5,0 Prozent. Gestützt wurde das Wachstum unter anderem durch steigende Exporte in andere asiatische Länder und nach Europa. Die Ausfuhren in die USA gingen indes merklich zurück. 2026 dürfte sich das Wachstum auf 4,3 Prozent abschwächen. Der private Konsum steht noch immer unter dem Eindruck der seit Jahren anhaltenden Immobilienkrise. Die Industrie kämpft zudem mit steigenden Produktionskosten bei gleichzeitig rückläufiger internationaler Nachfrage. Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten stieg im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024. Damit ging das Wachstum im Vergleich zu den Vorjahren zurück. Für die Jahre 2026 und 2027 rechnet der Sachverständigenrat mit einem Wachstum der US-Wirtschaft um jeweils 1,9 Prozent. Die wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone verlief auch im Jahr 2025 im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Die Wirtschaftsleistung stieg um 1,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr (+0,9 Prozent) konnten die Länder der Eurozone ihr Wachstumstempo jedoch leicht erhöhen.
Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland
Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich seit 2019 sehr schwach, was nach Einschätzung des Sachverständigenrats nicht nur konjunkturelle, sondern auch strukturelle Ursachen hat. Das sind insbesondere die sinkende Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industriegüter auf dem Weltmarkt sowie die demografische Entwicklung. Letztere verringert nicht nur das Arbeitsvolumen, sondern verursacht zudem eine deutliche Steigerung der Sozialversicherungsbeiträge. Dies verringert die Nettoeinkommen der Haushalte und erhöht die Arbeitskosten der Unternehmen.
Aktuell wird die deutsche Wirtschaft vor allem durch die Folgen des Iran-Kriegs belastet. Die stark gestiegenen Energiepreise senken die Kaufkraft der Konsumenten und erhöhen die Produktionskosten der Unternehmen. Konjunktur stützend wirken die im Rahmen der beiden Sondervermögen erhöhten öffentlichen Ausgaben. Der Sachverständigenrat erwartet für das laufende Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland um 0,5 Prozent. Damit hat er seine Prognose vom Herbst letzten Jahres um 0,4 Prozentpunkte gesenkt. Für 2027 prognostiziert der Rat ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent.
Wirtschaftspolitik
In seinen wirtschaftspolitischen Empfehlungen fokussiert sich der Sachverständigenrat diesmal auf die Sozialversicherungssysteme und fordert grundlegende Reformen ein. Bei unveränderter Rechtslage würde der Gesamtbeitragssatz nach einer Simulationsrechnung bis 2040 auf fast 50 Prozent steigen.
Die Finanzen der Gesetzlichen Krankenversicherung sollten nach Ansicht des Sachverständigenrats im Wesentlichen durch eine Dämpfung der Ausgabensteigerungen stabilisiert werden. Hierfür ist auch eine größere Effizienz der Mittelverwendung notwendig. Ebenso plädiert der Rat für eine Stärkung der Gesundheitsprävention. Maßnahmen zur Einnahmensteigerung, etwa höhere Bundeszuschüsse für versicherungsfremde Leistungen, können ergänzend zu den Ausgabenbegrenzungen getroffen werden.
Die Pflegeversicherung sollte nach Ansicht des Rats als Teilversicherung erhalten bleiben, die Leistungen müssten aber begrenzt und zielgenauer ausgestaltet werden. Zudem sollten die finanziellen Belastungen zwischen den Generationen durch eine kohortenspezifische Kapitaldeckung gerechter verteilt werden.