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Autor*in des Beitrags

Dr. Christoph Picker

Leiter ServiceCenter Arbeitswissenschaft / Arbeitssicherheit

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Arbeitsorganisation | Checkliste | 07/26

HOP-Prinzip im Arbeitsschutz: Fehler sind Helfer

Human and Organisational Performance (HOP) ist ein Ansatz im Arbeitsschutz, der davon ausgeht, dass Fehler nicht auf individuelles Versagen zurückzuführen sind, sondern auf ungünstige Rahmenbedingungen hinweisen. Der Ansatz ist in den USA entstanden und findet zunehmend auch in Deutschland Beachtung. HOP basiert auf der Erkenntnis, dass Menschen auch unter idealen Bedingungen Fehler unterlaufen, unabhängig von Qualifikation, Erfahrung oder Sorgfalt. Diese Annahme ist keine Kritik an den Beschäftigten, sondern Grundlage für eine veränderte Sicherheitslogik: Statt nach dem Schuldigen zu suchen, richtet HOP den Blick auf die Bedingungen, unter denen ein Fehler entstehen konnte.

Unterschied zwischen HOP und klassischen Sicherheitsansätzen

Klassische Sicherheitsansätze setzen häufig bei Regeln, Anweisungen und deren Kontrolle an. Kommt es zu einem Zwischenfall, folgt zunächst meist die Suche nach dem Verursacher. HOP betrachtet in dieser Situation dagegen, warum das Verhalten in der jeweiligen Situation nachvollziehbar war.

Es wird davon ausgegangen, dass Beschäftigte in aller Regel im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen, Ressourcen und Zeitvorgaben sinnvoll handeln. Fehler entstehen dann nicht durch fehlenden Willen, sondern durch ein ungünstiges Zusammenwirken zwischen Arbeitsaufgabe, Arbeitsumgebung und individuellen Möglichkeiten.

Die fünf HOP-Prinzipien im Überblick

HOP umfasst fünf zentrale Prinzipien:

  • Fehler sind menschlich: Sie sind normal und unvermeidbar und werden nicht als individuelles Versagen gewertet.
  • Schuldzuweisungen lösen keine Probleme: Sanktionen helfen nicht bei der Ursachenfindung, sondern führen dazu, dass Fehler künftig verschwiegen werden.
  • Der Kontext bestimmt das Verhalten: Arbeitsbedingungen, Abläufe und Systeme beeinflussen, wie Menschen handeln.
  • Lernen ist unerlässlich: Organisationen müssen Systeme schaffen, in denen gelernt und verbessert wird.
  • Die Reaktion auf Fehler entscheidet: Wie Führungskräfte und das Umfeld auf Fehler reagieren, bestimmt, ob eine offene, transparente Kultur entsteht, die Lernen und Verbesserungen ermöglicht.

Umsetzung von HOP in der betrieblichen Praxis

Für Unternehmen bedeutet die Anwendung des HOP-Prinzips eine Stärkung der Verhaltensprävention durch eine ganzheitlicher Betrachtung und ein systemisches Lernen. Arbeitsabläufe, Arbeitsmittel und Kommunikationswege werden so gestaltet, dass Fehler seltener auftreten und ihre Folgen begrenzt bleiben, falls sie dennoch eintreten. Dieser vorbeugende Charakter unterscheidet HOP von einer nachträglichen Ursachensuche, die häufig erst nach einem Vorfall einsetzt.

Der Ansatz wirkt sich zudem auf die Zusammenarbeit im Betrieb aus. Beschäftigte, die offen über Schwachstellen sprechen können, ohne Nachteile befürchten zu müssen, tragen aktiver zur Verbesserung von Abläufen bei. Führungskräfte erhalten dadurch frühzeitig Hinweise auf Risiken, die sonst erst nach einem Unfall sichtbar würden. Besonders für Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie mit komplexen Fertigungsprozessen und enger Verzahnung von Mensch und Technik bietet HOP einen konkreten Ansatzpunkt zur Reduzierung von Arbeitsunfällen und Ausfallzeiten. Dadurch kann HOP wertvolle Impulse für konkrete Maßnahmen im kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) liefern.

Verhaltensprävention mit HOP

Verhaltensprävention zielt darauf ab, das individuelle Verhalten von Beschäftigten durch Schulungen, Unterweisungen und Appelle im Sinne der Arbeitssicherheit zu beeinflussen. HOP erweitert diesen Ansatz, indem es Verhalten nicht isoliert betrachtet, sondern als Ergebnis der Wechselwirkung zwischen Person und Arbeitsumgebung versteht.

Statt allein an die Sorgfalt oder Disziplin Einzelner zu appellieren, richtet HOP den Blick darauf, welche Rahmenbedingungen sicheres Verhalten begünstigen oder erschweren. Verhaltensprävention wird auf diese Weise wirksamer, weil sie nicht nur das Verhalten selbst, sondern auch dessen Entstehungsbedingungen berücksichtigt.

HOP-Checkliste zum Download

Unsere Checkliste, die Sie am Endes dieser Seite herunterladen können, hilft sowohl Führungskräften als auch Mitarbeitenden, konstruktiv mit Fehlern und Beinahe-Unfällen zu sprechen und den Dialog darüber zu fördern. Sie kann als Aushang, Handout oder Diskussionsgrundlage in Sicherheitsrunden genutzt werden und lässt sich betriebsspezifisch ergänzen, wie etwa mit internen Meldewegen, Kontaktdaten oder konkreten Beispielen aus dem Betrieb.